Februar 2018

Lieber Theaterbesucher!

In seinem kürzlich erschienenen Buch Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur analysiert der österreichische Philosoph Robert Pfaller (* 962) die „peinliche Infantilisierung“ unserer Gesellschaft. Verhalten, das man früher als kindisch bezeichnet hätte, falle inzwischen kaum noch aus dem Rahmen - es gelte hier wie bei manchen Ravensburger Spielen: Alter 6 bis 99. Der amerikanische Autor Robert Bly (*1926) beschrieb bereits in den 1990er Jahren eine „kindliche Gesellschaft“ und ihre große Anfälligkeit für politische Vereinfacher. Verlässlichkeit, Selbstbeherrschung, Diskretion und Rücksichtnahme würden zugunsten von schnellem Erfolg, Geld, Spaß und Entertainment aufgegeben. Auf der Strecke blieben politisches Bewusstsein, Engagement, Entscheidungsfreudigkeit, Mut und vor allem der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Wieder erwachsen zu werden, bedeutet vor diesem Hintergrund keine leichte Aufgabe. Erwachsenheit bedeutet, Unannehmlichkeiten oder Übel ebenso als notwendige Begleiterscheinungen des Lebens zu erkennen wie die eigenen Möglichkeiten, sie zu ertragen oder zu überwinden. Das scheint mir das Neue und Auffällige an der aktuellen Kultur zu sein: die Annahme, dass es Erwachsenen nicht zumutbar sei, sich als Erwachsene zu verhalten (Robert Pfaller).

Reife braucht Zeit. Menschen, die es immer eilig haben, bleiben in einem Zustand permanenter Kindlichkeit (Eric Hoffer, 1898-1983). Im Wortkino können Sie im Februar in aller Ruhe Aussagen vergangener und gegenwärtiger Menschen hören – erwachsene Stellungnahmen zum Leben, die auf vernünftige Weise vernünftig und auf maßvolle Weise maßvoll sind. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Eilts

  • Bibliographie:
    
Robert Pfaller: ‚Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur‘, Fischer Taschenbuchverlag 2017

  • Robert Bly: ‚Die kindliche Gesellschaft. Über die Weigerung, erwachsen zu werden‘, Kindler Verlag GmbH, München 1996

  • Eric Hoffer: ‚A Time of Juveniles‘, Harper’s Magazine, Juni 1965

Empfehlung:

Am Freitag dem 23. Februar 2018 um 20 Uhr und Sonntag dem 25. Februar um 18 Uhr zeigen wir Frühlingsmelodie - einmalig andere Darstellung von Natur und Kultur. Die vier Jahreszeiten werden seit je besungen, gemalt, bedichtet. Mit ‚Frühlingsmelodie‘ zeigen wir mit Gesang, Bild und Text Erinnerungen und die erneuernde Wirkung einer Jahreszeit.

Der aktuelle Spielplan steht für Sie unter www.wortkino.de für Sie bereit.

Wortkino/Dein Theater unterwegs:

Das Wortkino/Dein Theater zeigt weitere Gastspiele unter diesem Link.