September 2020

Liebes Publikum!

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,

Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,

Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,

Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet

Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet

Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen

Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen.

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Trochtelfingen, Nellingen, Reutlingen, Heiningen, Schwieberdingen, Laichingen, Sindelfingen, Schnürpflingen – Baden-Württemberg ist die ingen-Hochburg Deutschlands: siebenhundertachtzig Orte enden hier auf ingen – dazu kommt noch Hintertupfingen, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Auch der mit vierzig Buchstaben längste Ortsname der Bundesrepublik endet auf -ingen: ‚Michelbach an der Bilz-Gschlachtenbretzingen‘ bei Schwäbisch Hall. Zurückzuführen ist ingen auf die Alemannen, die im südwestdeutschen Schichtstufenland einige Spuren hinterließen. Sie benannten ihre Dörfer oft nach den Abkömmlingen des Siedlungsgründervaters. Die Endung ingen signalisierte: Leute desjenigen, dessen Name im vorhergehenden Wortteil genannt ist – in Sigmaringen wohnte die Sippschaft des Sigmar, in Gundelfingen der Clan des Gundolf und in Göppingen hausten die Blutsverwandten des Geppo. Im Belgisch Staatsblad von 1950 fand ich sogar die Erwähnung einer Ortschaft nach meinem Namen – Norbertingen.

Auch in der Provinz Ogliastra auf Sardinien kraxeln hundertjährige Greise mit ihren Ziegen auf die Berge, tanzen und sind gut gelaunt. Woran liegt das? Ein sardischer Methusalem meint dazu: Wir schauen aufeinander! Und er rät: Leb dein Leben, arbeite hart, iss nicht zu viel – und trink etwas Wein.

Einer der meistübersetzten deutschen Klassiker wuchs in Nürtingen auf und starb in Tübingen: Friedrich Hölderlin. Im Wortkino haben wir Hölderlin zum 250. Jubiläum neues Leben eingehaucht. Wir freuen uns auch in der nächsten Spielzeit auf Ihren Besuch!

Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Norbert Eilts für das Ensemble

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Empfehlung:

Am Sonntag, dem 20. September sowie am Freitag, dem 9. Oktober und am Samstag, dem 10. Oktober zeigen wir Durch den Wald. Mit Liedern und Geschichten geht Ellen Schubert durch einen von Ameisen, Rehen, Dachsen, Eulen, Siebenschläfern, Käfern, Füchsen, Wildschweinen und anderen Lebewesen bevölkerten Wald. Ein lyrisch unterhaltsames Klangerlebnis mit verschiedenen Instrumenten, tierischen Klängen, menschlichen Stimmen, Gesang und diversen Geräuschen. Ein einmalig anderes Walderlebnis.

Der aktuelle Spielplan steht für Sie unter www.wortkino.de bereit.

Wortkino/Dein Theater unterwegs:

Das Wortkino/Dein Theater zeigt weitere Gastspiele unter diesem Link.