Juni 2022

Liebes Publikum!

Frauenmantel, Hirtentäschel,
Bärenklau und Klappertopf.
Engelwurz und Teufelskralle,
Reiherschnabel, Taubenkropf.

Rittersporn und Königskerze,
Knabenkraut und Mädesüß,
Lerchensporn und Wachtelweizen.
Buntes Blumenparadies!

Märchennamen, Märchendinge.
Wunderschöner Blumenwald,
für vieltausend kleine Wesen
ein geheimer Aufenthalt.

Robert Louis Stevenson (1850-1894)

Johann Peter Hebel (1760–1826)

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In meinem Garten blüht Vergissmeinnicht. Die Pflanze konnte sich der Legende nach partout ihren Namen nicht merken. Aber der Schöpfer tröstete sie: Es gibt Schlimmeres als den eigenen Namen zu vergessen. Das Wesentliche ist: vergiss mein nicht! Der Name hat sich in vielen Sprachen durchgesetzt: forget-me-not heißt es in Großbritannien, ne m’oubliez pas in Frankreich, no-me-olvides in Spanien, Förgätmigej in Schweden oder wu wang cao (Nicht-vergessen-Kraut) in China. Wer einmal Vergissmeinnicht im Garten hat, besitzt es in der Regel für immer. Es samt sich reichlich aus, und für seine Verbreitung sorgen emsige Helfer – denn an den Samen bildet die Pflanze ein Fettanhängsel, das bei Ameisen begehrt ist. Sie schleppen den Leckerbissen in ihren Bau, und nachdem sie das kleine Anhängsel verspeist haben, entsorgen sie den unappetitlichen Samen wieder ins Freie. So breitet sich das Vergissmeinnicht dank ihrer Naschhaftigkeit an allen Ecken und Enden meines Gartens aus und erinnert mich von Jahr zu Jahr an das Unbegreifliche der Schöpfung.
In seiner Ursprungsform blüht das Vergissmeinnicht in Blau, der Farbe der Treue und der Sehnsucht. Wir werden Sie auch im Juni sehnsüchtig erwarten und freuen uns auf Ihren Besuch.Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Norbert Eilts

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