Bazon Brock zu Gast

Bazon Brock zu Gast
Göttermachen

Bazon Brock, Denker im Dienst und Künstler ohne Werk, ist emeritierter Professor am Lehrstuhl für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal.
Er repräsentiert das „Institut für theoretische Kunst, Universalpoesie und Prognostik“ und ist Gründer der Denkerei in Berlin.


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Göttermachen

Herodot berichtet, dass zwei Dichter, Hesiod und Homer, den Griechen ihre Götter schenkten.
Herodot bezieht sich dabei auf Hesiods Werk “Theogonie”, in dem zum ersten Mal in unserer Kulturgeschichte das Welterschaffen von Uranus und Gaia dem Göttererschaffen der Menschen analog gesetzt wird.

Dieser Gedanke wurde durch die Offenbarungsreligionen abgeschwächt, ja verdrängt und erst mit dem Pathos der Arbeit und der industriegesellschaftlichen Produktion des 19. Jahrhunderts erneut vorgetragen.
Hölderlin erhob sich gleich zu Beginn des neuen Zeitalters zum größten Götterstifter der weltlichen Literatur.

Gegenwärtig liefert Peter Sloterdijk in seiner Publikation „Theopoesie“ eine umfassende Darstellung der Kunst des Göttermachens.
Als letzter Dichter des von Hesiod gestifteten Metiers schrieb Gottfried Benn in dem Gedicht “Du übersiehst dich nicht mehr”

Du könntest dich nochmals treiben
mit Rausch und Flammen und Flug,
du könntest –: das heißt, es bleiben
noch einige Töpferscheiben
und etwas Ton im Krug.

Doch du siehst im Ton nur die losen,
die Scherben, den Aschenflug –
ob Wein, ob Öl, ob Rosen,
ob Vase, Urne und Krug.

Augenscheinlich wollen viele Künstler weltweit nicht mehr den Ton auf der Töpferscheibe zum Götterbild formen; sie gehen zur industriellen Fertigung von Göttern und Idolen aus Daten und Kunststoff über.
Wie sehen die aus?
Und wie kann man letzte Verbindlichkeit durch das schaffen, was Menschen selber erst herstellen?